Chronik der Partnerschaft mit Nowy Sacz
Vorgeschichte
Am 17.01.1984 beschloss der Ausschuss für Internationale Begegnungen des Rates der Stadt Schwerte vor dem Hintergrund der neuen Ostpolitik, eine Partnerschaft mit einer Stadt aus den Ländern des damaligen Ostblocks (Polen) zu prüfen mit dem Ziel eines offiziellen Abschlusses. Dieser Beschluss wurde am 13.12.1984 durch den Haupt- und Finanzausschuss als Beschlussausschuss bestätigt.
Versuche des damaligen Stadtdirektors Ernst D. Schmerbeck, in Gesprächen mit der polnischen Botschaft in Bonn, dem Deutschen Poleninstitut in Darmstadt oder anderen offiziellen Stellen zu einem Ergebnis zu kommen, scheiterten. Schmerbeck entsann sich dann eines Journalisten und Historikers aus Warschau, Jan Zaborowski, den er auf einer Jahrestagung des Internationalen Versöhnungsbundes Anfang der 80iger Jahre kennengelernt und den er in den Folgejahren zu mehreren Vorträgen bei der VHS Schwerte über die besonderen Probleme in Polen und über die deutsch-polnische Verständigung eingeladen hatte.
Er war dann jeweils in Hause Schmerbeck zu Gast. Nachdem Z. über den Wunsch der Stadt Schwerte informiert wurde, brachte er bei einem Folgebesuch das Statistisches Jahrbuch der polnischen Gemeinden mit. Hier galt es nun, eine geeignete Stadt zu finden, die zu Schwerte insbesondere nach der Größe passen und die auch einen gewissen historisch/kulturellen und touristischen Reiz haben sollte.
Unter den seinerzeitigen besonderen Bedingungen der kommunistischen Herrschaft und des Kriegsrechtes musste in der auszuwählenden Stadt ein/e Vertrauensmann/-frau leben, der Türen, die richtigen Türen, öffnen konnte.
Logo Nowy SaczAus einem Kreis von ca. 6 -7 Orten schälte sich dann Nowy Sacz in Südpolen heraus; hier lebte der Jan Zaborowski persönlich bekannte und vertrauenswürdige Mariam Sury, der als Kontaktperson dienen konnte und außerdem, nachdem er zehn Jahre in Paris gelebt hatte, fließend französisch sprach. Das war wichtig wegen der anschließenden vertraulichen Kommunikation mit Schmerbeck.
Vom 13. - 17.05.1985 weilten dann ohne offiziellen Auftrag der Stadt Ernst D. Schmerbeck und seine Frau Christine privat nach Nowy Sacz, um zunächst einmal einen Eindruck von Stadt und umgebender Landschaft zu gewinnen und gleichzeitig - nach positivem Eindruck - auch Kontakte über Mariam Sury mit den offiziellen Stellen der Stadt Nowy Sacz aufzunehmen.
Auf sehr entgegenkommende und liebenswürdige Weise hat Mariam Sury die beiden deutschen Gäste mit Stadt und Umgebung vertraut gemacht und auch den Weg zum damaligen Stadtpräsidenten Dzizlaw Pawlak eröffnet. Hier wurde Bereitschaft bekundet, Beziehungen aufzunehmen.
Bereits im Sommer des gleichen Jahres fuhr ein Abschlusskurs des Ruhrtalgymnasiums mit ca. 25 Schülerinnen und Schülern unter Leitung der Studienrätin Dörte Damke und von Bernd Heumann für eine Woche nach Nowy Sacz. Dann kehrte allerdings Ruhe ein. Briefe nach Nowy Sacz wurden nicht beantwortet.
Eine neue Situation ergab sich, als im Jahre 1989 eine Künstlergruppe aus Nowy Sacz ihr Interesse bekundete, in Schwerte eine Ausstellung zu veranstalten. StD Schmerbeck nahm erneut Kontakt zu Jan Zaborowski auf, und dieser empfahl dringend, nunmehr die Stadt Nowy Sacz mit einzubinden zu versuchen.
Das müsse persönlich geschehen. Schmerbeck fuhr darauf hin nach Warschau und von dort gemeinsam mit Jan Zaborowskiause als Gast nach Nowy Sacz, um entsprechende Verhandlungen zu führen.
Gesprächspartner war seitens der Stadt Nowy Sacz der damalige Stadtpräsident Mariam Cicon, - später Vizepräsident mit Jerzy Gwizdz, danach Bürgermeister von Stary Sacz -, und der Vorsitzende des Stadtrates Kasimierz Sas.
Diese sagten zu, die auch qualitative Schirmherrschaft für die Ausstellung - worauf Jan Zaborowski großen Wert legte - zu übernehmen und zur Eröffnung nach Schwerte zu kommen.
Die Ausstellung fand 1989 wie abgesprochen statt - mit den offiziellen Vertretern aus Nowy Sacz, es folgte ein Gegenbesuch von Bürgermeister, Stadtdirektor und den Fraktionssprechern aus dem Rat der Stadt Schwerte im Monat April 1990 in Nowy Sacz, wo konkrete Absprachen getroffen und der Entwurf eines Partnerschaftsvertrages erarbeitet wurde. Die an diesen Gesprächen teilnehmenden, zu der Zeit noch in der Opposition befindlichen Vertreter von Solidarnosczc (Jerzy Gwizdz) erklärten ihre Bereitschaft, eine Partnerschaft mit zu tragen und nach evtl. Übernahme der Verantwortung, was noch 1990 geschah, fortzuführen.
Bereits ab Herbst 1989 wurde das Bezirkskrankenhaus Nowy Sacz durch Medikamentenbereitstellung unterstützt. Leitender Arzt war dort zu der Zeit Wladislaw Celadka, der auch die Partnerschaft nachhaltig unterstützte.
Begründung der Städtepartnerschaft
Die Partnerschaft kam dann offiziell im August 1990 durch einen entsprechenden Vertragsabschluss in Schwerte zustande - ein entsprechender Ratsbeschluss wurde gefasst. Für Nowy Sacz unterzeichneten Jerzy Gwizdz (Stadtpräsident) und Ludomir Krawinski (Vorsitzender des Rates), für Schwerte Bürgermeister Werner Steinem und Stadtdirektor Ernst D. Schmerbeck. Ein Partner in Nowy Sacz, der auf Verwaltungsseite den Partnerschaftsprozess seit Beginn überaus positiv begleitete, war der perfekt deutsch sprechende Janusz Biel, der allzu früh schon 1997 verstarb. Ebenso hat seit Anbeginn Anna Wawrziniak mit ihren hervorragenden deutschen Sprachkenntnissen diese Partnerschaft warmherzig mit getragen und in jeder Beziehung gefördert.
Die erste Bürgerbegegnung war dann 1991 (vom 15. - 20.06.) eine Schwerter Woche in Nowy Sacz, an der eine Vielzahl Schwerter Gruppen teilnahm, vom 9. - 14.07.1992 folgte die polnische Woche in Schwerte mit Schwerpunkt im Bereiche Kunst und Kultur.
Der Arbeitskreis/Förderverein Schwerte - Nowy Sacz
Der Arbeitskreis Schwerte - Nowy Sacz, seit 1998 Förderverein für die Städtepartnerschaft Schwerte - Nowy Sacz, als bürgerschaftlicher Träger der Partnerschaft, zuständig für Begegnungen und ihre Programme, für die Quartierbeschaffung und den Ausbau der Partnerschaft, wurde am 16.07.1991 gegründet. Vorsitzender wurde Ernst D. Schmerbeck, sein Vertreter Bernhard Vickermann - Mitglied der CDU-Fraktion im Rat der Stadt. Schatzmeisterin wurde Frau Roswitha Bliese und Schriftführer für einige Jahre Klaus Dieter Langer (bis 1993), danach Ulrich Klugius und ab 1997 Udo Steinke.
Im Interesse einer Verjüngung kandidierte nach fast zehnjährigem Vorsitz Ernst D. Schmerbeck im Jahre 2000 nicht mehr für eine Wiederwahl, an seiner Stelle gelang es, Roswitha Bliese zu gewinnen. An ihre Stelle als Schatzmeisterin trat Bärbel Janas. Schmerbeck wirkte weiter als Beisitzer im Vorstand mit, ebenso wie Karl Altrock, Jochen Höher, Ewa Steinke, und Wolf Wawrzinek.
Der bisherige Erfolg der Partnerschaft ist undenkbar ohne den engagierten Einsatz dieses Arbeitskreises bzw. des Fördervereins, der rd. 25 Personen zählt. Die Arbeit wurde in großer Breite von seinen Mitgliedern getragen, wobei stellvertretend zu nennen sind Bernhard Vickermann, der sich immer wieder als Gastgeber - nicht nur seiner persönlichen Partner, zur Verfügung stellte und für die Organisation zur Verfügung stand - wie auch seine Frau; Roswitha Bliese, die die Kassengeschäfte mit großer Zuverlässigkeit über die Jahre führte, Pfarrer Wolf Wawrzinek für seiner beharrliche und gefühlvolle geistliche Begleitung der partnerschaftlichen Beziehungen und sein stets offenes Haus, wofür auch seiner Frau Margarete zu danken ist, ebenso wie die Gewinnung von Familien für die Partnerschaft, Udo Steinke und seine aus Nowy Sacz stammende Frau Ewa für Ideenreichtum und Organisationstalent. Ebenso haben ganz wesentlich zum Erfolg beigetragen die Mitglieder aus dem Arbeitskreis, die sich als Dolmetscherinnen zur Verfügung stellten wie Edith Peschel, Bärbel Janas, auf polnischer Seite Anna Wawrziniak, Janusz Biel, Bogdan Kajzer, um nur einige Namen zu nennen.
